Samstag, 30. November 2013

mugele warm: Filz-Puschen

… oder MANCHE TALENTE REIFEN LANGSAM …

Es gab einmal eine Zeit, da waren “wilde Jung´s Spiele” meine große Leidenschaft. Also nicht so, wie das jetzt manch einer denken mag, sondern eher früher, als Matsch und Dreck, hohe Bäume, tiefe Wälder und der Sandberg am Fluß eine unheimliche Anziehungskraft auf mich auswirkten. Zeitlich war das so während der Grundschule.

Als Schuhwerk brauchte Frau von damals nur “Nichts” ( im Sommer) und Gummistiefel für die restlichen Jahreszeiten. Zum waschen reichte der Wochenendaufenthalt am See.

Handarbeit in der Schule als Kind


Und genau in diese Zeit fiel auch mein klassischer Handarbeitsunterricht. In Bayern gehen die Uhren ja bekanntlich traditionell richtig. Im Allgäu, dort wo Deutschland Richtung Süden praktisch aufhört, war moderner Erziehungsstil in den 70ern mehr als suspekt, Hippie-Zeugs. Unter diesen Voraussetzungen durfte ich mich in den Künsten von braven Mädchen üben: STRICKEN, HÄKELN & NÄHEN

Leider war es so, dass mich Handarbeit nicht wirklich interessierte.  Nur mit Hilfe meiner geliebten Oma gelang es, die Handarbeits-Hausaufgaben zu erledigen. So strickte Oma eine gestreifte Mütze, einen Schal, stickte einen Gürtel, nähte und häkelte je ein Kissen. Sie hat sich bemüht schlampig zu arbeiten. Fettes Lob an Oma! Komischerweise bekam ich trotzdem ständig Ärger mit meiner Lehrerin. Und dann wollte damals auch noch meine beste Freundlin Handarbeitslehrerin werden, da mußte ich ihr (für kurze Zeit) die Freundschaft kündigen.

Handarbeit in der Schule als Jugendliche


Einige Jahre später, (Jungs brauchten mittlererweile weder wild, noch schmutzig sein) strickte oben genannte Freundin wie verückt Pullis während der Schulzeit. Im Schulbus, in der Pause und während des Unterrichts heimlich unter der Bank. Das fand ich super cool, und da sie nicht nachtragend war, bekam ich privaten Strickunterricht. Also ich konnte Maschen anschlagen und rechts und links, zwei fallenlassen. Dieses Wissen genügte für den Kauf von schönem naturweißem Baumwollgarn und mein erster Pullover wuchs während des Unterrichts mit “Rund-Um”-Nadeln.

Blöderweise war ich gerade am Ärmelloch, als die Schulferien begannen, und die Freundin in die Ferien fuhr. Aber, da Mut und Improvisation zu meinen Stärken zählt, strickte ich ohne Anleitung das Teil bis oben an den Kragen und dann – frei Schnauze – zwei Ärmel dazu. Dann verliebte ich mich und der zweite Ärmel wurde aus Zeitmangel etwas schmäler und etwas kürzer.

Dennoch stolz auf mein Werk, trug ich den Pullover das erstemal am See. Und weil ich ganz arg stolz war, und mich auch etwas zu pummelig fühlte und der Typ meiner Begeisterung auch am See war, und ich zudem ganz locker drauf war, behielt ich den Pullover zum surfen an. (Damals waren die Bretter noch groß und schwer und gingen auch mit ganz viel Übergewicht nicht unter.) Lange Rede kurzer Sinn, eine Bö fegte mich vom Brett, der Pulli hing bis an den Knien, das männliche Objekt meiner Mädchenträume lächelte mitleidig und fragte, ob ich zu dumm zum zählen sei, warum sonst wohl ein Ärmel eng anliegend trocknet, wo der andere eher an einen Fledermausflügel erinnert. So ein Vollpfosten! Damit war das zarte Pflänzchen der Liebe erstmal zertreten, und ich beschloß den Pulli aus Protest weiter anzuziehen.
Apropo Protest: Die Grünen kamen gerade in Bundestag. In Turnschuhen und mit abenteuerlichen Strickpullovern. Eben Alternativ und mit überzeugender Individualität ). Meine weiteren Strickversuche fanden zwar statt, waren jedoch nicht erwähnenswert.

Stricken für den Kapitän


30 Jahre später wollte ich aus Liebe nochmals einen Pulli stricken. Mein Kapitän bemerkte, dass ein zu kurzer Pullover, mit zu langen Ärmeln nicht auf seiner Wunschliste stehen würde:-(((

Dann eben Filzis stricken



zum Buchladen
Ziemlich zeitgleich stolperte ich über ein Buch zum “Puschen häkeln und filzen” (Siehe Bild rechts). Endlich meine Chance auf  Wiederherstellung meiner Handarbeits-Ehre Und so strick-filzte ich drauf los, ein Paar, zwei Paar, drei Paar,... Weihnachten ist gerettet!

Und diese Filzpantoffel sind herrlich warm an Bord. Wenn in den Herbstmonaten der Boden in der Kajüte immer etwas zu kalt ist, dann sind die Filzis wunderbar. Und Füße auf die Bank ist mit diesen Schuhen auch gestattet.

Und der Kapitän hat ein Paar nur für die Schlafkoje
                                                     ... etwas Strick muß sein!

Das erste Paar in Violett ....

die ersten 5 Paare zum verschenken

Meine Privaten Lieblingsteile ...

 Fürs Logbuch:


 Nur nicht gleich entmutigen lassen. 
Manche Talente brauchen 40 Jahre zum Reifen!
Filzpantoffel kommen immer gut an! 

                                                                        Gut Strick ...

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