Donnerstag, 2. Oktober 2014

Sabbatical, ich komme! - Wie man Geld für eine Auszeit sparen kann


Griaß di, Servus und MoinMoin,
heut geht´s um alles. Nämlich um Geld.Ist an sich ja nicht wichtig, solange man genügend hat. Will man sich nun aber aus dem Hamsterrad ausklinken und mehr Freiheit leben, dann muß man/frau schon entweder gut geheiratet oder geerbt haben. Ist beides so nicht eingetreten, dann hilft nur selber finanzieren.

Was kostet eine Auszeit?

... im Gespräch mit Aussteigern und Weltenbummlern gibts darauf eine ganz klare Antwort: 

"Genau soviel, wie Du hast!"


Diese Erkenntnis bringt nicht wirklich viel, denn als korrekter und arbeitender Mensch, mit Hang zu Sicherheit, möchte ich gerne Zahlen haben. So zum entlanghangeln, um nicht den Faden zu verlieren. Und auch um aufs Konto schauen zu können und dann zu sagen: "Jetzt hab ichs beisammen, jetzt gehts los." 

So leicht geht es aber nicht. Denn es kommt zuerst die viel wichtigere Frage:

Welchen Lebensstandard möchte ich mir dabei leisten?




 Dazu ein kurzes Gedanken-Zwischen-Spiel: 

Wieviel Muße können wir uns erlauben, wenn wir mit einen Lebensstandard von 1965 zufrieden sind, und dabei die Technik von heute nutzen dürfen?

Martin Stürmer, Makroökonom an der Universität Bonn hat für GEO ein Rechenspiel gestartet. Er hat das Bruttoinlandsprodukt von 1965 von 378 Milliarden DM gegen das heutige von 2,74 Billionen in Beziehung gesetzt, Anzahl der Beschäftigten und die Anzahl der Arbeitsstunden mit einbezogen und Inflation und Kaufverhalten nicht vergessen .... Ergebnis: Die Produktivität hat sich in 50 Jahren verdreifacht. Kein Wunder, daß wir im Dauerstress-Hamsterrad radeln

Umgedreht wird aber dann der Schuh daraus ....  

Mit knapp 17 Stunden Arbeit in der Woche kann der Lebensstandard von 1965 erreicht werden ....


Können wir uns dann nicht den Rest der Woche mit den schönen Dingen beschäftigen? Zeit haben? Müßen wir die gewonnene Freie Zeit von der gleichen Logik bestimmen lassen, die wir im Arbeitsleben haben? Immer mehr, immer größer, immer kontrollierter?

 Noch ein Gedankenspiel:

1965 -Irgendwo in Deutschland
Wenn wir arbeiten wie gehabt, leben aber einen  Lebensstandard von 1965, dann können wir 2/3 des Verdienstes auf die Seite bringen? Und damit ein altes Boot renovieren :-))! Oder ein altes Häuschen. Oder ein Garten kaufen, oder, oder, oder ...

Und 1965 war ja nicht sooo schlecht. Da kam ich immerhin auf die Welt, Und 1970, da hatten wir einen Geschirrspüler, ein VW Käfer, einen kleinen s/w-Fernseher und Telefon. Und für alle ein Fahrrad. Essen war auch schwer in Ordnung. Coffee Togo gabs noch nicht. Und ohne den Küchenschurz und das Buch für die gute Ehefrau war das Leben 1965 schon schwer in Ordnung ...



Der Start zum Sabbatical


Erkennen

Ganz am Anfang steht die Erkenntnis, daß man nicht bis zum Renteneintrittsalter das Hamsterrad drehen will. Wahrscheinlich dreht man/frau ich es eh schon lange nicht mehr selbst, sondern rennt nur noch mit, damit man nicht obibatzelt.

... das Hamsterrad drehen ... bis zum Schluß ... dann ist Schluß ....

Vorstellen

Dann brauch es die Vorstellung, wie die Auszeit aussehen soll - auf Reisen, im Kloster, auf dem Boot, in der Wildnis, in der sozialen Arbeit. Mit dem Traum und dem Ziel im Kopf funktioniert das Sparen auch.

Wichtig

Prioritäten setzen. Einen Traum / eine Reise / eine Auszeit zu erfüllen, heißt mitunter auch "Verzicht" und  "Neues lernen". Das soziale Umfeld wird etwas irritiert sein. Und das Verständnis von Bekannten ist nicht immer gegeben. Aber es allen Recht machen und überall mitmachen, führt nicht zum Ziel.

Planen

Brainstorming, Planung & Recherche kommt als nächstes, und ganz wichtig: ein Kostenplan. Excel ist wunderbar, denn da kann man/frau eventuelle Milchmädchenrechnungen korrigieren, umd den aktuellen finanziellen Stand ablesen. Das Rechnen beginnt ....


 Wenn ich die Einnahmequelle  

nicht erhöhen kann, 

dann muß ich die  

Ausgabenseite reduzieren!


Geld für eine Auszeit zu sparen ist nicht schwer ...


5 Schritte um Geld zu sparen.

 Meine Beispiele sind individuell auf 5 Jahre Vorbereitungszeit und 2 Personen hochgerechnet. 

Wohnung:

Wohnungsgröße und Lage objektiv beurteilen. Brauch ich 90 qm? Ist die gute Lage wichtig? Brauch ich sanierten Wohnraum? Aufzug? Garten? Keller? Jedes Zimmer warm?
Unsere Aktion:  Wohnung gewechselt
Sparpotential: ca. 280.- Euro x 12 Monate x 5 Jahre

= 16.800,-

Auto und öffentliche Verkehrsmittel:

Objektiv durchkalkulieren. Das günstigste Auto (Kleinwagen) kostet laut gelber Verein 305 Euro im Monat. In den meisten Partnerschaften gibt es zwei Autos, und das sind seltenst die günstigsten. Braucht es das? Geht vielleicht auch die Kombi "Kleines Auto + Nahverkehr"?
Unsere Aktion: Auto angepasst und die kultige Reiseente gekauft, 
Sparpotential: ca. 210 Euro im Monat x 12 Monate x 5 Jahre

= 12.600,-

Ernährung:

Gut selber kochen statt Essen gehen. Auch kein Coffe to go, mal schnell ein Imbiss, dort ein Eis, den schnellen Lebekässemmel oder die Butterbrezl. Bewußt einkaufen und nichts wegwerfen - das freut den Geldbeutel. Gemüse vom Markt und selber putzen, Fleisch von dem Rindvieh Elsa nebenan. Molkereiprodukte möglichst regional. Da weiß ich, was ich eß und das ist sehr gut. Auf Veranstaltungen und zur Arbeit Brotzeitbox füllen und kleine Getränke in Rucksack packen. Mit 300 Euro im Monat für Essen und Trinken - und kreativen Kochideen, kann man sehr gut leben!
Unsere Aktion: Selten essen gehen, bewußt einkaufen, nichts wegwerfen
Sparpotential: ca. 150 Euro im Monat x 12 Monate x 5 Jahre

= 9.000,-

Friseur, Kosmetik, Maniküre, Wellness & Konsorten

Hier geht bestimmt einiges, denn teure Cremes machen auch nicht faltenfreier. Und Haarpflege gibt es fast  mehr als Käsesorten. Blickt Mensch da überhaupte noch durch?
Meine Aktion: Hüftlange Haare ab. (Ok, das ist jetzt nicht jedermanns Sache :-)); Wenig Schminke und statt teurer Pflege einfach mal nen Quark oder Honig nehmen
Sparpotential: ca. 40 Euro im Monat x 12 Monate x 5 Jahre

= 2400,-

Versicherungen, Mitgliedschaften & Abos

Alle monatlichen und jährlichen Fixkosten durchforsten. Da fällt oft noch der eine oder andere Betrag auf, von dem man gar nicht mehr wußte, daß man ihn bezahlt. jede Versicherung hinterfragen, ob sie noch zur aktuellen Lebenssituation paßt. Ob man sie braucht. Wirklich notwendig ist nur eine Kranken- und Pflegeversicherung und die private Haftpflichtversicherung. Alle anderen Versicherungen auf das notwendigste runterschrauben. Verträge rechtzeitig kündigen. Strom-/Gasanbieter eventuell wechseln, Telefon & Internetkosten überprüfen,
Unsere Aktion: Viel gekündigt und das Notwendige aktualisiert
Sparpotential: ca 130,- Euro im Monat x 12 Monate x 5 Jahre

= 7.800,-

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= knappe 50.000,-

Viel gespart, viel gelernt und dazu gewonnen

Mit dem Sümmchen kommt man schon ganz weit. Gut gespart, und noch auf nichts verzichtet. Im Gegenteil, man lernt effektiver und besser zu haushalten, bewußter zu kochen und backen, man lernt gezielter einzukaufen, man lernt sich mit Versicherungen und Banken auseinanderzusetzen, man lernt, daß günstig nicht schlechter ist und daß billig gar nicht geht und man lernt, daß man nicht so viel Dinge braucht im Leben.

Gewonnen wird Erkenntnis und Zeit. Besitz ich weniger und leb reduzierter, dann brauch ich mich auch nicht um so viel kümmern. Statt Fensterputzen back ich nen Kürbiskuchen, oder restaurier mein Boot, oder laß die Beine in See baumeln, oder ich schreib nen Blog ....

Kurzform fürs Logbuch:


Wer weniger arbeitet, hat mehr Leben und wenig Geld,
und eine Versicherung für Zufriedenheit gibt es nicht. 
... DIY !




Kommentare :

  1. Hallo Ulli!
    Ich befasse mich sehr viel mit dem Thema Finanzen und Sparen, da ich mir das Ziel gesetzt habe, irgendwann finanziell unabhängig zu sein. Das bedeutet, dass ich so viel Geld gespart und so geschickt angelegt habe, dass das Geld quasi für mich alleine arbeitet. Somit könnte ich mich vermehrt karitativen und künstlerischen Aktivitäten zuwenden, und wäre nicht mehr auf einen "Brotjob" angewiesen. Deine Ansätze hinsichtlich Sparen gefallen mir, vor allem den Hinweis über das Rechenexperiment von Martin Stürmer hat mich fasziniert. Dies beweist, wie viel Geld heute eigentlich unbemerkt ausgegeben wird, und man sich durch einen bewussteren Umgang sparen könnte!

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    1. Hallo MAximilian,
      Danke für Deinen Kommentar. Dein Ansatz finde ich gut. Schwierig ist zur Zeit ja leider, daß man/frau gar nicht so recht weiß, wo das Geld sicher angelegt ist, damit es dann von alleine arbeitet. Betongeld? Ich drück Dir die Daumen, daß es klappt, und Du den "Brot-Job" in kreativ/ künstlerische Aktivität umwandeln kannst. Das hört sich nach einem wunderbaren Ziel an.
      lg ulli

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  2. Und ich dachte schon, ich bin der Einzige mit solchen Ideen. Vergesst das Eigenheim, teure Autos usw. das versklavt euch nur zusätzlich. Nur fürs Alter sparen finde ich auch nicht sonderlich sinnvoll. Was nützen euch die paar Jahre Freiheit, wenn ihr nicht mehr richtig laufen könnt, euch alles weh tut etc.

    Einfach den ganzen Konsummüll weglassen, das Geld zur Seite schaffen und zuminedest Phasenweise als freier Mensch leben, das isses. Findet unsere Sklavengesellschaft (die scheinbar schon so verblödet ist, dass sie ihre Versklavung gar nicht mehr bemerkt) zwar falsch aber das macht mir nix!

    =)

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Dankeschön für Deinen Kommentar. Ich freu mich sehr, ist eine nette Nachricht doch das Topping der Bloggerei. Sozusagen die Kirsche auf dem Sahnedessert. Ich versuch so schnell wie möglich zu antworten.
Herzliche Grüße
Ulli